Die Vorbereitungen auf die 24 Stunden von Le Mans 2026 laufen auf Hochtouren. Beim offiziellen Testtag auf dem 13,626 Kilometer langen Circuit de la Sarthe sammelten Teams und Fahrer wichtige Erkenntnisse für das Rennen am kommenden Wochenende. Gleichzeitig sorgten mehrere Hersteller für bemerkenswerte Ausrufezeichen – und die Leistungsdichte im Hypercar-Feld verspricht eines der spannendsten Rennen der vergangenen Jahre.
Aston Martin überrascht mit Bestzeit
Für die Schlagzeile des Testtages sorgte Aston Martin. Der Valkyrie setzte mit einer Rundenzeit von 3:26,293 Minuten die schnellste Marke des gesamten Tages. Damit verwies das britische Hypercar Toyota und Cadillac auf die weiteren Plätze.
Besonders bemerkenswert: Sämtliche acht Hypercar-Hersteller bewegten sich innerhalb von weniger als einer Sekunde. Neben Aston Martin, Toyota und Cadillac zeigten auch Alpine, Ferrari, BMW, Peugeot und der Le-Mans-Neuling Genesis konkurrenzfähige Leistungen. Das deutet auf ein äußerst enges Kräfteverhältnis hin, bei dem bereits kleine Details über Sieg oder Niederlage entscheiden könnten.
Cadillac hatte am Vormittag noch die Bestzeit gehalten, bevor Aston Martin am Nachmittag nachlegte. Toyota konnte trotz eines Zwischenfalls am Vormittag wertvolle Testkilometer absolvieren und zählt weiterhin zu den Favoriten.
Genesis vor historischem Le-Mans-Debüt
Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Jahr Genesis. Die Hyundai-Tochter startet erstmals mit dem neuen GMR-001 Hypercar bei den 24 Stunden von Le Mans.
Für Daniel Juncadella, der nach zwei Einsätzen in der GT-Kategorie nun erstmals in der Topklasse antritt, erfüllt sich damit ein langjähriger Traum. Der Spanier kennt die Strecke bereits aus seinen bisherigen Le-Mans-Starts und bezeichnet insbesondere den ersten Streckenabschnitt mit der berühmten Tertre-Rouge-Kurve als einen der anspruchsvollsten und faszinierendsten Teile des Kurses.
Beim Testtag konnte Genesis bereits zeigen, dass das neue Fahrzeug Potenzial besitzt. Einer der beiden Wagen schaffte den Sprung in die Top Ten der Gesamtwertung. Dennoch steht für das Team zunächst das Sammeln von Erfahrungen im Vordergrund. Das Ziel lautet vor allem, die Zuverlässigkeit über die volle Renndistanz sicherzustellen und möglichst viele Kilometer zurückzulegen.
Ferrari, Toyota und Cadillac bleiben Favoriten
Trotz der starken Vorstellung von Aston Martin gelten die etablierten Hypercar-Programme weiterhin als die großen Anwärter auf den Gesamtsieg. Ferrari reist als einer der Maßstäbe der aktuellen Langstreckenszene an, während Toyota auf seine enorme Erfahrung und langjährige Erfolgsbilanz in Le Mans bauen kann.
Cadillac hinterließ am Testtag ebenfalls einen starken Eindruck und gehörte in beiden Sessions zu den schnellsten Fahrzeugen. Auch Alpine präsentierte sich konkurrenzfähig und könnte bei einem problemlosen Rennverlauf in den Kampf um die Spitzenplätze eingreifen.
Spannende Ausgangslage in LMP2 und LMGT3
In der LMP2-Kategorie setzte IDEC Sport die Bestzeit des Testtages. Die Klasse verspricht erneut ein enges Rennen mit zahlreichen Siegkandidaten.
In der LMGT3-Kategorie dominierte Ferrari den Testtag. Mehrere Ferrari 296 GT3 Evo fanden sich an der Spitze der Zeitenlisten wieder. Allerdings präsentierten sich auch Porsche, Corvette, BMW und Ford konkurrenzfähig, sodass auch hier ein offener Kampf um den Klassensieg erwartet wird.
Amerikanische Hoffnungen und junge Talente
Für besondere Aufmerksamkeit sorgt der US-Amerikaner Eric Powell. Der ehemalige TC-America-Champion gibt in diesem Jahr sein Debüt bei den 24 Stunden von Le Mans und startet mit einem Ford Mustang GT3 Evo. Nach seinem Wechsel in die Langstrecken-Weltmeisterschaft erlebt Powell erstmals die europäische Motorsportbühne und sieht den Start in Le Mans als Höhepunkt seiner bisherigen Karriere.
Auch Doriane Pin gehört zu den interessanten Geschichten des Rennens. Die Französin, die als Entwicklungsfahrerin für Peugeot tätig ist, kehrt nach ihrer Zeit im Formelsport in den Langstreckensport zurück. In der LMP2-Klasse möchte sie sich für höhere Aufgaben empfehlen und langfristig den Sprung in ein Hypercar-Cockpit schaffen.
Ausblick auf das Rennwochenende
Nach dem Testtag folgen ab Mittwoch die offiziellen Trainings- und Qualifikationssitzungen. Erst dann wird sich zeigen, welche Teams ihre Karten bislang bewusst verdeckt gehalten haben und wer tatsächlich über die schnellsten Rennpakete verfügt.
Der Testtag hat jedoch bereits eines deutlich gemacht: Das Hypercar-Feld ist so ausgeglichen wie selten zuvor. Mit Aston Martin als Überraschung, den etablierten Favoriten Ferrari, Toyota und Cadillac sowie den ambitionierten Neulingen von Genesis dürfte die 2026er Ausgabe der 24 Stunden von Le Mans beste Voraussetzungen für ein hochklassiges Langstreckenrennen bieten.
