Der Auftakt der 54. ADAC RAVENOL 24h Nürburgring stand ganz im Zeichen des typischen Eifelwetters. Regen, Hagel, Nebel und teils stehendes Wasser sorgten am Donnerstag für schwierige Bedingungen auf der Nordschleife und verhinderten im zweiten Qualifying am Abend weitere Verbesserungen der Rundenzeiten. Die Tagesbestzeit aus dem ersten Qualifying blieb damit bestehen: Der RAVENOL-Mercedes-AMG #80 mit Maro Engel, Luca Stolz, Fabian Schiller und Maxime Martin setzte sich mit einer Runde von 8:14,957 Minuten an die Spitze des Klassements.
Hinter dem Mercedes-AMG reihten sich die beiden Rowe-BMWs #1 und #99 ein. Platz drei belegte der Verstappen-Mercedes-AMG #3, den Formel-1-Weltmeister Max Verstappen gemeinsam mit Lucas Auer, Jules Gounon und Daniel Juncadella pilotiert. Bester Porsche war der Manthey-„Grello“ mit der Startnummer 911 auf Rang fünf, gefolgt vom Abt-Lamborghini #130. Auch der HRT-Ford Mustang GT3 #64 sowie der Scherer-PHX-Audi #16 schafften den Sprung in die Top 10.
Während das erste Qualifying am Nachmittag noch unter wechselhaften Bedingungen stattfand, wurde das Nachttraining zur echten Herausforderung. Mehrere Fahrer berichteten von massivem Aquaplaning – teilweise bereits bei rund 40 km/h. Besonders kritisch waren die Bedingungen im Bereich Flugplatz, Fuchsröhre und Schwedenkreuz, während andere Streckenabschnitte bereits wieder abtrockneten. Nebelbänke erschwerten zusätzlich die Sicht.
Maro Engel erklärte nach dem Training, dass die Zeiten unter diesen Bedingungen nur wenig Aussagekraft hätten. Viel wichtiger sei es gewesen, Erfahrungen bei wechselnden Wetterlagen zu sammeln. Auch andere Fahrer beschrieben die Sessions eher als Vorbereitung auf mögliche Rennbedingungen denn als ernsthaften Angriff auf schnelle Zeiten.
Für Aufsehen sorgte Max Verstappen bei seiner ersten Teilnahme am 24h-Wochenende. Der Niederländer absolvierte mehrere Stints im Mercedes-AMG #3 und hinterließ trotz schwieriger Bedingungen einen souveränen Eindruck. Teamkollege Lucas Auer übergab das Fahrzeug am Abend an Jules Gounon, während Verstappen bereits am Nachmittag zeitweise die Spitze übernommen hatte.
Das Wetter sorgte jedoch nicht nur für schwierige Bedingungen, sondern auch für zahlreiche Zwischenfälle. Besonders spektakulär verlief der Abend für den Dacia Logan #300 von Ollis Garage Racing. Nach einem Dreher im Karussell stand das Fahrzeug quer zur Strecke. Fahrer Christian Geilfus musste rangieren, um den Wagen wieder in Fahrtrichtung zu bringen. Die Rennleitung wertete das Manöver als gefährlich und verhängte eine Strafversetzung um fünf Startplätze für das Rennen.
Auch der Dunlop-Porsche #17 erlebte ein turbulentes Nachttraining. Nach einem Einschlag im Bereich Galgenkopf fiel später auf der Strecke kurzfristig die komplette Beleuchtung aus. Nach einem Neustart der Elektronik konnte das Fahrzeug jedoch weiterfahren.
Bereits im ersten Qualifying hatte es einen heftigen Unfall gegeben, der das Aus für den „Girls Only – Ready to rock the Green Hell“-Porsche bedeutete. Der Porsche 911 GT3 Cup des Teams Giti Tires Motorsport by WS-Racing kollidierte mit einem zuvor liegengebliebenen und brennenden Fahrzeug. Das Chassis wurde dabei irreparabel beschädigt. Teamchef Matthias Möller bestätigte später den Rückzug des Fahrzeugs vom Rennwochenende. Die Sportkommissare stuften den Unfall als unverschuldet ein.
Neben den zahlreichen Drehern und technischen Problemen sorgten auch mehrere Strafen für Gesprächsstoff. Mehrere Teams erhielten Zeitstrafen wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen in Code-60-Phasen. Der Posavac-BMW #40 wurde zusätzlich mit einer Geldstrafe belegt, weil die Onboard-Kamera falsch montiert war. Der High-Class-Porsche #86 erhielt im Nachttraining sogar die schwarze Flagge, nachdem Fahrer Harry King mit einer nicht genehmigten Helmkamera unterwegs gewesen war.
Trotz der schwierigen Bedingungen herrschte im Fahrerlager große Vorfreude auf die kommenden Tage. Viele Fahrer lobten die bereits am Donnerstag enorme Zuschauerkulisse rund um die Nordschleife. Besonders die wechselhaften Wetterbedingungen erinnerten zahlreiche Teilnehmer daran, warum die 24 Stunden auf dem Nürburgring als eines der anspruchsvollsten Rennen der Welt gelten.
Am Freitag rückt nun das dreistufige Top-Qualifying in den Mittelpunkt. Dort kämpfen die schnellsten Teams im Einzelzeitfahren um die Pole Position für das Rennen am Samstag. Zusätzlich stehen das Qualifying 3 der übrigen Klassen, das Rennen der Deutschen Historischen Langstrecken-Meisterschaft sowie die traditionelle Falken Drift Show und die Autogrammstunde auf dem Programm. Während der Samstag bereits ausverkauft ist, sind für Freitag noch Resttickets erhältlich.
