{"id":1227,"date":"2016-04-28T10:46:58","date_gmt":"2016-04-28T08:46:58","guid":{"rendered":"http:\/\/slickpix.de\/curbs\/?p=1227"},"modified":"2016-04-28T10:46:58","modified_gmt":"2016-04-28T08:46:58","slug":"drogenschmuggel-bei-imsa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/slickpix.de\/en\/stories\/drogenschmuggel-bei-imsa\/","title":{"rendered":"Der Drogenschmuggel bei IMSA"},"content":{"rendered":"<h2>Durch Drogenschmuggel bekam IMSA den Spitznamen &#8222;International Marihuana Smugglers Association&#8220;<\/h2>\n<p>Die amerikanische GT und Sportwagenelite trat in den 70er und 80er Jahren in Rennserien unter der Schirmherrschaft der IMSA gegeneinander an. Auf die \u00c4ra der IMSA GT, in der GR. 5-Wagen wie der Porsche 935 das Zepter in der Hand hielten, folgte 1981 die \u00c4ra IMSA GTP. Sportprototypen, die im wesentlichen den Bestimmungen der neuen GR. C folgten, waren jetzt an der Tagesordnung. Den GR. 5-Wagen wurde noch eine Gnadenfrist zugestanden. Auf den klassischen amerikanischen Naturrennstrecken wie z.B. road Atlanta, Lime Rock Park, Mid Ohio und Laguna Seca, wurde den fans erstklassiger Sportwagensport geboten. Allgemeinhin werden beide Phasen in der amerikanischen Sportwagenmeisterschaft nur kurz mit dem K\u00fcrzel \u201eIMSA\u201c zusammengefasst. Das steht f\u00fcr \u201einternational motor sports association\u201c.<br \/>\nDie IMSA-Serie k\u00e4mpfte zeitweise mit dem wenig ehrenvollen Spitznamen \u201eInternational Marihuana Smugglers Association\u201c. Einige Fahrer hatten sich durch Drogenschmuggel &#8211; und somit letztendlich durch die Sucht Dritter &#8211; ihren Motorsport finanziert. \u201eEs war schon eine gef\u00e4hrliche Zeit. Im Fahrerlager kursierten viele Ger\u00fcchte und man wusste, mit wem man sich besser nicht anlegt. Einige Piloten hatten zur Sicherheit einen Revolver in der Reisetasche\u201c, sagte der ehemalige IMSA-Pilot und heutige Journalist Michael Keyser.<\/p>\n<h3>Randy Lanier<\/h3>\n<p>Randy Lanier war ein wohlhabender Mann und 1984 der Champion in der IMSA Camel GTP-Meisterschaft. In einem March 84G \u2013 Chevrolet verwies er Top-Fahrer wie Al Holbert, Derek Bell, Bob Akin im neuen Porsche 962 auf die Pl\u00e4tze. Lanier verf\u00fcgte \u00fcber erstklassiges Material und eine f\u00e4hige Mannschaft. Der Titel 1984 war sein gr\u00f6\u00dfter Erfolg.<\/p>\n<p>Anfang der 1960er Jahre zog er mit seinen Eltern nach Florida. Als Jugendlicher kam er schnell mit der Marihuana-Party-Szene in Kontakt. Florida war zu dieser Zeit sehr offen und die Flower-Power-Bewegung propagierte die Legalisierung von Drogen und die freie Liebe. Irgendwann kam der Punkt, an dem Randy Lanier nicht nur konsumierte, sondern auch gefragt wurde, ob er nicht auch Drogen besorgen k\u00f6nne. Auf den Verkauf von kleinen P\u00e4ckchen folgten immer gr\u00f6\u00dfere Pakete.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>\u201eEtwa sechs Monate nach dem ersten Verkauf von Gras-T\u00fctchen wurde ich gefragt, ob ich nicht daran interessiert sei, mit einem Boot auf die Bahamas zu fahren, um gr\u00f6\u00dfere Mengen zu schmuggeln. Es war f\u00fcr mich wie ein Abenteuer. Also machte ich es.\u201c Nicht nur, dass es ein Abenteuer war, es war f\u00fcr ihn auch eine g\u00fcnstige Einnahmequelle. Die Touren auf die Bahamas h\u00e4uften sich seit dieser Zeit. Zur Tarnung betrieb Randy Lanier einen Jet Ski-Verleih, aber das Schmuggeln nahm im Hintergrund immer gr\u00f6\u00dferen Raum ein.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Zum Motorsport kam Randy Lanier eher zuf\u00e4llig. \u201e1979 ging ich zu einer Auto-Show in Miami und die SCCA (Sportscar Club of America) hatte dort einen Stand. Ich dachte, ein bisschen Rennen fahren w\u00e4re ganz nett. Es sollte nur ein Hobby sein, etwas, was nebenher l\u00e4uft\u201c, erkl\u00e4rte er im Interview. Nach der Lizenz kaufte er sich einen alten, rostigen Porsche 356 aus dem Jahr 1957. Daraus machte er einen einfachen Rennwagen, startete damit bei einem Amateurrennen in West Palm Beach und gewann. Danach war er infiziert und wollte mehr. Doch \u201emehr Motorsport\u201c kostete auch mehr Geld. F\u00fcr Randy Lanier war das kein Problem.<\/p>\n\n<p>Ende der 70er stellte Florida so etwas wie eine Hochburg f\u00fcr Marihuana-Schmuggler dar. \u00dcber 1000 Kilometer K\u00fcste, viele kleine Buchten und tropisches Marschland wie die Everglades boten ideale Bedingungen f\u00fcr den illegalen ungest\u00f6rten Transport. B\u00f6se Zungen behaupteten, dass Drogenhandel in den 70er Jahren in Florida fast eine Art \u201eVolkssport\u201c gewesen sei. Ungef\u00e4hrlich war das nicht, weil Banden wie die \u201eBlack Tuna Gang\u201c ihre Reviere verteidigten &#8211; zur Not auch mit Waffengewalt. Randy Lanier schloss sich mit Ben Kramer zusammen, einem Speedboot-Fahrer, der die Geschwindigkeit genauso liebte wie er. Die Boote wurden im Laufe der Zeit schneller und gr\u00f6\u00dfer. Sp\u00e4ter hatten Lanier und Kramer eine Flotte von mehreren Schleppern im Einsatz, die auch kleine Bargen schoben. Das Marihuana versteckten sie in den Ballasttanks. Zum Schein wurden legale G\u00fcter transportiert. Im Laufe der Jahre wurden so angeblich 300 Tonnen Marihuana nach Florida geschmuggelt.<\/p>\n<p>Als Rennfahrer hatte sich Randy Lanier meist in unterschiedliche Teams eingekauft. 1984 formierte er f\u00fcr sich das \u201eBlue Thunder Racing-Team\u201c, kaufte zwei brandneue March 84G, lie\u00df nach jedem Rennen von Ryan Falconer neue Chevrolet-Motoren bauen und wies seinen Team-Manager Keith Leyton an die besten Mechaniker anzuheuern \u2013 koste es, was es wolle. Als zweiten Fahrer engagierte er Bill Whittington, der auch \u00fcber reichlich Geld verf\u00fcgte. Beim 12-Stunden-Rennen in Sebring belegten sie den zweiten Platz. Oben auf dem Podium standen sie zum ersten Mal beim Lauf Riverside. Weitere Siege folgten in Laguna Seca, Charlotte, Sears Point und Michigan. Randy Lanier gewann 1984 den Fahrertitel der IMSA GTP-Meisterschaft. \u201eDas waren fabelhafte Tage\u201c, erinnerte sich Lanier im Interview. W\u00e4hrend die Schiffe zwischen der Karibik und Florida pendelten, folgte er mit seiner Familie im gro\u00dfen Motorhome dem Rennzirkus. Schon zu dieser Zeit fragten sich viele, woher jemand, der eine kleine Jet-Ski Firma betreibt, ohne Sponsoren und sonstige Unterst\u00fctzung dieses Budget nehmen kann. Auch das FBI fragte sich das.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Zwei Jahre sp\u00e4ter hatte Randy Lanier seine Augen auf das Indy 500 gerichtet und unterschrieb bei Frank Arciero einen Vertrag f\u00fcr die Saison 1986. Wenige Wochen vor dem Indy 500 wurden sein ehemaliger Teamkollege Bill Whittington wegen Drogenschmuggels und Steuerhinterziehung festgenommen. Ein Journalist schrieb damals: \u201eRandy Lanier ist als ehemaliger Teambesitzer in einer unangenehmen Position, da sein ehemaliger Kollege Whittington sich durch Drogenschmuggel in sein Team eingekauft hatte.\u201c Lanier bestritt vor der Presse, davon etwas gewusst zu haben, was Lanier auch heute noch behauptet. Vielleicht gab es Vermutungen \u2013 aus eigener Erfahrung.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Mitte der 80er Jahre hatte US-Pr\u00e4sident Ronald Reagan dem Drogenhandel den Kampf angesagt. Die Zeiten hatten sich ge\u00e4ndert. Das sp\u00fcrte auch Randy Lanier und plante f\u00fcr Herbst 1986 seinen letzten Transport \u2013 den gr\u00f6\u00dften bisher- um sich danach aus dem Gesch\u00e4ft zur\u00fcckzuziehen. Insgeheim hoffte er, ungestraft davonzukommen und sich von da an auf seine Karriere als Rennfahrer konzentrieren zu k\u00f6nnen. Am 2. August 1986 platzte ihm beim Indycar-Rennen in Michigan bei 340 km\/h ein Reifen. Der Einschlag war so hart, dass er sich den Oberschenkelhalsknochen brach. Kurz danach wurde er verhaftet und 1987 vor Gericht beschuldigt, Kopf eines Drogenkartells zu sein, in das elf weitere Personen verwickelt seien. Er kam auf Bew\u00e4hrung frei und fl\u00fcchtete auf einem seiner Boote in die Karibik, wo das FBI ihn einige Zeit danach wieder schnappte. Lanier galt damals als einer der gr\u00f6\u00dften Drogenbarone Mitte der 80er Jahre, die dem FBI damals ins Netz gegangen waren. Bei der Verurteilung wurde Lanier und Kramer prophezeit, dass sie wohl nie wieder das Tageslicht sehen w\u00fcrden. Beide bekamen \u201elebensl\u00e4nglich\u201c. Ihm erschien es wahrscheinlich, dass er im Gef\u00e4ngnis eines nat\u00fcrlichen Todes sterben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Doch im Herbst 2014 verlie\u00df Randy Lanier nach 27 Jahren Haft das Coleman-Gef\u00e4ngnis in Florida und war wieder ein freier Mann, denn zuvor hatte der Amtsrichter Phil Gilbert ein Gutachten f\u00fcr seine vorzeitige Entlassung unter Auflagen unterzeichnet. Reue und inneren Frieden hatte Lanier nach eigener Aussage im Gef\u00e4ngnis mit Sport, Malerei und Yoga finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Die Whittington Br\u00fcder<\/h3>\n<p>Und da w\u00e4ren noch die Whittington-Br\u00fcder Bill, Don und Dale zu nennen. Auch sie schmuggelten Marihuana, um ihre Rennaktivit\u00e4ten zu finanzieren. Don und Bill Whittington waren keine Spitzenpiloten. Es reichte aber, um als Paydriver regelm\u00e4\u00dfig auf gute Autos zu kommen. In Europa und in Deutschland wurde die Br\u00fcder Bill und Don durch den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1979 zusammen mit Klaus Ludwig auf dem Kremer Porsche 935 K3 bekannt. Ihre Vergangenheit im Drogengesch\u00e4ft wurde in Deutschland allerdings mit folgender Anekdote bekannt: Ludwig war auf dem Kremer-Porsche 935 in Le Mans als Top-Pilot gesetzt und fuhr 10 Sekunden schneller als Don und 18 Sekunden schneller als Bill Whittington. Es stand damit au\u00dfer Frage, dass die Chance auf eine gute Platzierung im Gesamtklassement gering war. Deshalb sollte der junge Roisdorfer auch den Start fahren. Bill Whittington sah das anders. Er wollte den Start fahren. Manfred Kremer lehnte das entschieden ab, bis Bill ihn pl\u00f6tzlich ernsthaft fragte, was das Auto kosten w\u00fcrde. Erwin und Manfred Kremer berieten sich kurz und nannten den Preis: 290 000 Dollar! Bill ging in die Box und kam mit einem Koffer zur\u00fcck. Die erstaunten Kremer-Br\u00fcder willigten ein und hatten in der Geschichte des 24-Stunden Rennens von Le Mans den bisher gr\u00f6\u00dften Deal in der Startaufstellung gemacht \u2013 vermutlich ein bis heute unerreichter Rekord. Bill Whittington hatte sich kurzerhand seinen Willen erkauft. Ein ungl\u00e4ubiger Klaus Ludwig musste das Cockpit kurz vor dem Start r\u00e4umen. Im Laufe der 24 Stunden strauchelten die favorisierten Sportwagen von Porsche, Rondeau, Welter und die Mirage\u2013Ford. Ludwig und die Whittington Br\u00fcder rutschten dank der Fabelzeiten von Klaus Ludwig bis an die Spitze. Mit sieben Runden Vorsprung gewannen sie 1979 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans.<\/p>\n<p><br \/>\nBill, Don und Dale Whittington starteten am Ende der 70er bis zur Mitte der 80er Jahre in der IMSA regelm\u00e4\u00dfig auf diversen Porsche 935, meistens mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg. Obwohl Don der schnellere der drei Br\u00fcder war, feierte Bill zusammen mit Randy Lanier in der IMSA 1984 die gr\u00f6\u00dferen Erfolge. Alle drei Br\u00fcder starteten 1982 und 1983 auch beim Indy 500. Sie sind damit das einzige Geschwister-Trio, was in der Geschichte des Rennens an den Start ging, obgleich sie wenig Oval-Erfahrung hatten. Bereits in der Einf\u00fchrungsrunde kollidierten Kevin Cogan und Mario Andretti. Das gesamte Feld bremste ab und versuchte den Wracks auszuweichen. Dale Whittington verlor dabei die Kontrolle \u00fcber seinen March und schoss Roger Mears, den \u00e4lteren Bruder von Rick, ab. Vor dem Neustart kam es zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen Mears, Dale und den beiden anderen Whittington Br\u00fcdern. Er drohte damit, ihre angeblichen Drogengesch\u00e4fte auffliegen zu lassen. Schon damals kursierten Ger\u00fcchte \u00fcber ihre Machenschaften, weil sie angeblich auch einige Fahrer mit Marihuana versorgten.<\/p>\n<p><br \/>\nDie US-Beh\u00f6rden hatten mittlerweile auch die drei Br\u00fcder im Auge. Ermittlungen belegten ihre Aktivit\u00e4ten im Drogengesch\u00e4ft. 1986 wurden Bill und Don wegen Drogenhandel und Steuerhinterziehung angeklagt. Bill bekannte sich schuldig und wurde zu einer Gef\u00e4ngnisstrafe von 15 Jahren und einer Geldstrafe von umgerechnet 7 Millionen US Dollar verurteilt. Ein Jahr sp\u00e4ter bekannte sich auch Don f\u00fcr schuldig und bekam eine vergleichsweise geringe Strafe von 18 Monaten, weil sein Bruder gestanden hatte. Don wurde 1988, Bill 1990 vorzeitig entlassen. Dale Whittington wurde nie angeklagt und fuhr in den 90er Jahren wieder Sportwagenrennen. 2003 starb er an einer \u00dcberdosis Heroin. Die Whittington-Br\u00fcder hatten seit Anfang der 90er Jahre in Fort Lauderdale ihre eigene Learjet-Airline mit den Namen \u201eeasy Jet\u201c aufgebaut. Anfragen zu ihrer Vergangenheit beantworten die Whittingtons beharrlich bis heute nicht &#8211; auch f\u00fcr diesen Artikel nicht.<\/p>\n<h3>John Paul sr. und John Paul jr.<\/h3>\n<p>Die Abgr\u00fcnde hinter John Paul sr. flogen Mitte der achtziger Jahre auf. In der amerikanischen IMSA war er bekannt unter dem Spitznamen \u201eder alte Pirat\u201c. 1939 wurde er in den Niederlanden als Johan Lee Paul geboren. W\u00e4hrend der nationalsozialistischen Besatzung musste die Familie viele Entbehrungen ertragen. Als John Paul sr. 15 Jahre alt war, wanderten seine Eltern in die USA aus und lie\u00dfen sich in Munice, Indiana nieder. Auf das Studium an der Ball University folgte ein begehrtes Stipendium an der Harvard Universit\u00e4t. Als Immobilienmakler, Investment-Banker und B\u00f6rsenmakler hatte er sich 1970 bereits ein Millionenverm\u00f6gen verdient. Im selben Jahr verlie\u00df ihn seine erste Frau Joyce und nahm den 1960 geborenen Sohn John Paul jr. mit nach Indianapolis.<\/p>\n<p><br \/>\nJohn Paul sr. Leidenschaften waren das Segeln und die Autorennen. Mitte der 70er Jahre wurde der Name John Paul Sr. auch mehr und mehr im amerikanischen Motorsport bekannt. Schon damals fiel auf, dass er mit seinem Team JLP-Racing in kurzen Abst\u00e4nden, mitunter innerhalb einer Saison verschiedene Rennwagen allererster G\u00fcte an den Start brachte. 1977 war es ein Porsche 911 RSR, Ende jener Saison startete er mit einen Chevrolet Monza in der IMSA. Ein Jahr sp\u00e4ter war es eine brachiale Protofab Chevrolet Corvette C3, die noch w\u00e4hrend der Saison 1978 zugunsten des neusten Porsche 935 Modells aus Zuffenhausen eingemottet wurde. Auch in den Jahren danach war der JLP Porsche 935 technisch immer auf dem neusten Stand. Und auch hier fehlte auf dem gelb-babyblauen Design ein Hauptsponsor \u2013 ein Ph\u00e4nomen, das bei fast allen Drogenbaronen in der IMSA erkennbar ist. John Paul sr. geh\u00f6rte nicht unbedingt zu den schnellsten Fahrern im Feld, aber er war konstant und das trug zu diversen Erfolgen in der IMSA und in der TransAm- Serie bei.<br \/>\nSein Team war in Lawrenceville im Bundesstaat Georgia beheimatet. Der Transporter war stets schwarz lackiert. B\u00f6se Zungen behaupteten damals, dass er John Paul Sr. Charakter repr\u00e4sentieren w\u00fcrde. Im Fahrerlager war \u201eder alte Pirat\u201c unter Rennfahrerkollegen nicht sonderlich beliebt. Arrogant, herablassend, temperamentvoll, streits\u00fcchtig und bestimmend \u2013 so beschrieben ihn Zeitzeugen noch heute. Sein Sohn John Paul jr. wuchs mit der Zeit in das Team hinein. Anfangs war er das \u201eM\u00e4dchen f\u00fcr alles\u201c und musste gegen\u00fcber seinem Vater immer mit \u201eJa, Sir.\u201c; \u201eNein, Sir.\u201c parieren. Er zuckte genauso wie die JLP-Crew zusammen, wenn der Teamchef w\u00fctend diktatorisch Anweisungen gab. Seine ersten Rennen bestritt John Paul jr., nat\u00fcrlich finanziert durch den Vater, in der Ford Open-Wheel Formula. Siege lie\u00dfen nicht lange auf sich warten. Bald starteten Vater und Sohn zusammen auf einem Porsche 935 K3 und gewannen 1980 im Lime Rock Park zusammen ihr erstes IMSA GT-Rennen. Im selben Jahr belegten sie beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans den neunten Gesamtrang. John Paul jr. war da gerademal 20 Jahre alt und galt als vielversprechendes Talent.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>1981 stellte er den Porsche 935 seines Vaters bei den IMSA-Rennen neun Mal auf die Pole Position. In allen 18 Rennen der Saison hatte er gef\u00fchrt. Doch durch seine Unerfahrenheit, vielleicht auch durch jugendlichen \u00dcberschwang, strauchelten die Paul\u00b4s immer wieder und gewannen nur zwei IMSA-Rennen. In Europa wurde John Paul jr. zum ersten Mal wahrgenommen, als er einer Einladung von Ford und Zakspeed folgte und beim Geldrennen auf dem Norisring im Mustang GTX den Zweiten Platz belegte.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter hatte das JLP-Racing Team die schnellsten Autos im IMSA-Feld. Zum Porsche 935 kam noch ein Lola T600 Chevrolet hinzu. John Paul jr. hatte aus seinen Fehlern gelernt. Zusammen gewannen Vater und Sohn Paul f\u00fcnf Rennen, darunter die beiden Langstreckenklassiker in Daytona und Sebring. Alleine gewann John Paul jr. zus\u00e4tzlich neun von 18 Rennen im Porsche 935. Er wurde 1982 der bis dato j\u00fcngste IMSA GT-Champion. F\u00fcnf Monate sp\u00e4ter war sein Vater auf der Flucht.<\/p>\n\n<p>Mit dem Gesetz in Konflikt kamen die Pauls erstmals 1979, sechs Monate nachdem der Vater seinen Sohn zu sich genommen hatte. In einer Bucht in Lousiana wurden John Paul jr. und Christopher Schill beim Verladen von Paketen auf einen Pick-Up-Truck kontrolliert. Bei der Befragung rochen die Beamten Marihuana. Sein Vater John Paul sr. wurde kurze Zeit sp\u00e4ter auf seinem Segelboot \u201eLady Royale\u201c festgenommen, wo man Marihuana und 10 000 US Dollar in bar fand. Zus\u00e4tzlich wurde ein gemieteter LKW mit 710 kg Marihuana konfisziert. John Paul sr. hatte ihn unter dem falschen Namen \u201eJohn Davis\u201c gemietet. Alle drei bekannten sich vor Gericht schuldig und bekamen eine dreij\u00e4hrige Bew\u00e4hrungsstrafe sowie jeweils eine Geldstrafe von 32 500 US Dollar. In den Fahrerlagern kursierten fortan diverse Ger\u00fcchte \u00fcber die Pauls. So richtig ans Licht kam der Vorfall aber erst, als der Journalist Steve Potter im Mai 1983 in der Zeitschrift \u201eAutoweek\u201c dar\u00fcber berichtet hatte.<\/p>\n<p>1983 wurde John Paul sr. auch wegen versuchten Mordes gesucht. Das Opfer Stephan Carson, ein V-Mann der Polizei, hatte \u00fcber einen Komplizen ausgesagt und Hinweise auf kommende Schmuggelaktionen gegeben. Im Gegenzug wurde ihm bei Drogengesch\u00e4ften Immunit\u00e4t zugesichert. Drei Monate sp\u00e4ter wurde ihm am 19. Mai in Brust, Bein und Bauch geschossen, nachdem er bei Crescent Beach in der Nacht mit seinem Boot angelegt hatte. Carson behauptete gegen\u00fcber der Polizei, dass John Paul sr. ihm aufgelauert und f\u00fcnf Mal auf ihn geschossen habe. Vor Gericht pl\u00e4dierte John Paul sr. auf \u201enicht schuldig\u201c und verweigerte die Aussage \u00fcber seine Aufenthaltsorte in den vergangenen Monaten. Gegen eine Kaution von 500 000 US Dollar wurde er auf Bew\u00e4hrung freigelassen und trat seine Inhaftierung, die auf den 12. Dezember angesetzt war, &#8211; wen wundert\u00b4s &#8211; nicht an. Bis Januar 1985 war er untergetaucht, bis er in Genf von der Polizei gefasst wurde. Den entscheidenden Hinweis bekam die Polizei von einer Prostituierten. In der Schweiz hatte er unter falschem Namen mehrere Konten, auf denen umgerechnet ca. 100 Millionen US Dollar eingezahlt waren. Zudem hatte er einen falschen Pass bei der Einreise benutzt, weshalb er in der Schweiz, unmittelbar nachdem er gefasst worden war, f\u00fcr sechs Monate inhaftiert wurde.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Flucht kam auch das FBI in Florida mit den Ermittlungen um John Paul sr. immer weiter. Gegen ihn wurde Anklage erhoben wegen versuchten Mordes, Entf\u00fchrung, Bestechung und Erpressung. Die Ermittler fanden heraus, dass John Paul sr. der Organisator eines Drogenrings war. Zwischen 1975 und 1983 wurden 90 Tonnen Marihuana von Kolumbien \u00fcber die Bahamas in die USA geschmuggelt. Angeblich wurde eine nicht unerhebliche Anzahl von Schiffen, Krabbenkutter, Schlepper, LKWs und Lagerhallen dazu verwendet. Nach 1982 nutzte der Schmugglerring von John Paul sr. nicht mehr die sogenannte \u201eKolumbia-Route\u201c. Der Transport war zu gef\u00e4hrlich. \u00dcber Staatsgrenzen sollte zuk\u00fcnftig nicht mehr geschmuggelt werden. Die Ermittler entdeckten 20 Meter unter einer gro\u00dfen Farm in Georgia eine 8000m\u00b2 gro\u00dfe Halle. F\u00fcr ca. 150 000 US Dollar hatte John Paul sr. Stahltr\u00e4ger angeschafft, 30 000 US Dollar hatten ihn die W\u00e4rmelampen gekostet und der Generator schlug laut Polizei mit ca. 50 000 US Dollar zu Buche. Seine unterirdische Plantage kam jedoch nicht mehr zum Einsatz.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Den entscheidenden Hinweis bekam die Polizei in der Schweiz im Januar 1985 von einer Prostituierten, mit der er sich \u2026 naja\u2026 . Im M\u00e4rz 1986 wurde John Paul sr. in die USA \u00fcberf\u00fchrt. Bei der Anh\u00f6rung vor dem Gericht bekannte er sich als \u201eschuldig\u201c und wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt. Bis zu seiner Begnadigung 1999 verb\u00fc\u00dfte er seine Strafe im Gef\u00e4ngnis in Leavenworth.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Neben dem Drogenschmuggel und den damit verbundenen Gewaltverbrechen erscheint John Paul sr. auch durch zwei weitere F\u00e4lle in \u00e4u\u00dferst zweifelhaftem Licht. 1978 verliebte sich die Stewardess Chalice Alford in ihn. Sie lie\u00df sich vom rastlosen Luxusleben in F\u00fcnf-Sterne-Hotels, mit teuren Limousinen und dem Abenteuer Rennsport beeindrucken. 1980 heirateten sie nach dem IMSA-Rennen in Lime Rock. Die Ehe ging schnell in die Br\u00fcche, als Chalice 1981 beim 24h-Rennen in Le Mans ihren Mann \u201ein flagranti\u201c mit einer anderen Frau erwischte. Ein Kurzurlaub auf Key West sollte die Vers\u00f6hnung bringen. Chalice Paul wurde 1981 zuletzt auf Key West gesehen und ist seitdem spurlos verschwunden. Ihre damalige Freundin Lisa Collomb hat heute eine einfache Antwort auf die Frage \u201eWarum?\u201c \u201eShe knew to much!\u201c. John Paul sr. gab sich unwissend und ihm konnte nichts nachgewiesen werden.<\/p>\n<p><br \/>\nKurz nach seiner Freilassung im Jahr 1999 tauchten wieder dubiose Ger\u00fcchte auf. Zusammen mit seiner neuen Lebensgef\u00e4hrtin Colleen Wood wollte er die Welt umsegeln. Im Dezember 2000 wurde auch sie das letzte Mal in Key West gesehen. Wusste auch sie zu viel? Das \u201eWarum\u201c ist in beiden F\u00e4llen bis heute ungekl\u00e4rt. Seit 2001 ist John Paul sr. untergetaucht. Es wird vermutet, dass er sich in Asien aufh\u00e4lt. Gesehen wurde er angeblich auf den Fidschi-Inseln und in Thailand. Andere behaupten, er w\u00fcrde unter falschem Namen in Amsterdam leben. Es kursiert das Ger\u00fccht von mehreren Gesichtsoperationen. Angeblich soll er mehr als f\u00fcnf P\u00e4sse mit unterschiedlichen Identit\u00e4ten haben. Seinen Ruf als Schwerverbrecher hat John Paul sr. seit Jahren fest untermauert.<\/p>\n<p>Auch sein Sohn John Paul jr. wurde 1986 zu einer Haft von f\u00fcnf Jahren verurteilt, da er sich am Drogenring seines Vaters beteiligt hatte oder in den Augen von einigen beteiligen musste. Als er angeklagt wurde, setzten sich einige Rennfahrer f\u00fcr John Paul jr. ein und schrieben sogar Briefe an die Justizbeh\u00f6rden. Woher kam damals dieser R\u00fcckhalt? John Paul jr. war in seinem Wesen quasi das absolute Gegenteil zu seinem Vater \u2013 ruhig, manierlich, zuvorkommend und gewissenhaft. Das brachte ihn allerdings immer wieder in Konflikt mit seinem Vater. Die Konflikte gingen phasenweise so weit, dass der Vater seinen Sohn aus dem eigenen Team werfen wollte. Er tat es nicht, denn John Paul sr. Wusste, was er an seinem Sohn hatte \u2013 dieser war extrem schnell. F\u00fcr seine Rennfahrerkollegen war damals klar: Er wurde gezwungen, den Drogenschmuggel mit umzusetzen.<\/p>\n<p>Weil das Gericht ihn als \u201eMitl\u00e4ufer\u201c bezeichnet hatte, verbrachte er seine Strafe in einem Minimum-Sicherheitsgef\u00e4ngnis. Im Oktober 1989 wurde er vorzeitig entlassen, weil er Informationen \u00fcber seinen Vater preisgab, die er beim Gerichtsprozess drei Jahre zuvor verweigert hatte. Seine Rennkarriere konnte er danach fortsetzen. Von 1990 bis 1994 startete er regelm\u00e4\u00dfig in der Indycar-Serie und bei den 500 Meilen von Indianapolis. Anschlie\u00dfend konzentrierte er sich wieder auf Sportwagen und GT-Rennen. 2001 sollte er in einer Chevrolet Corvette beim 24-Stunden-Rennen in Daytona starten. John Paul jr. stellte fest, dass er seine Beine und Arme nicht mehr so koordinieren konnte. Die Diagnose hie\u00df \u201eHuntington-Krankheit\u201c. Eine erbliche, bisher nicht heilbare Krankheit, bei der Teile des Gehirns fortschreitend zerst\u00f6rt werden. Der Verlust mentaler Grundfunktionen und seiner Muskelsteuerung schritt fort und das bedeutete das Ende seiner Rennkarriere. Aktuell lebt er in S\u00fcd-Kalifornien, hat eine Stiftung gegr\u00fcndet und versucht, sich als Betroffener f\u00fcr die Erforschung dieser Krankheit einzusetzen.<\/p>\n<p>Alle drei F\u00e4lle zeichnen sich durch mehrere Gemeinsamkeiten aus. Lanier, Paul sr. und die Whittington-Br\u00fcder wickelten ihre Drogengesch\u00e4fte meist \u00fcber die Staaten am Golf von Mexiko ab. Florida stellte so etwas wie das Einfallstor f\u00fcr den Drogenhandel dar. Mitte der 70er Jahre kamen Lanier, Paul sr. und die Whittington-Br\u00fcder zum ersten Mal mit dem illegalen Handel in Verbindung. In dieser Zeit wurde in den USA intensiv \u00fcber eine Legalisierung von Marihuana gestritten. Viele wollten bei einer Legalisierung das gro\u00dfe Geld machen und bauten sich vorher ihre Infrastruktur und Verbindungen auf. Ihre Hoffnung auf Legalisierung zerschlug sich, nachdem der Senat dagegen gestimmt hatte. Das gro\u00dfe Geld machten sie trotzdem und gaben es f\u00fcr den Motorsport in gro\u00dfem Ma\u00dfe wieder aus.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Unter US-Pr\u00e4sident Ronald Reagan \u00e4nderten sich die Verh\u00e4ltnisse. Die paradiesischen Zeiten f\u00fcr Schmuggler neigten sich ab 1984 dem Ende entgegen. Zwangsl\u00e4ufig endeten f\u00fcr John Paul sr., seinen Sohn, Randy Lanier und die Whittington-Br\u00fcder deren Aktivit\u00e4ten im Motorsport, nachdem das FBI ihnen auf die Schliche gekommen war. Die IMSA konnte sich von dem absch\u00e4tzigen Titel \u201eInt. Marihuana Smugglers Association\u201c wieder l\u00f6sen. Sportwagenrennen allererster G\u00fcte in Stadtschluchten und auf amerikanischen Naturrennstrecken r\u00fcckten die IMSA wieder in das rechte Licht.<\/strong><\/p>\n<hr \/>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch Drogenschmuggel bekam IMSA den Spitznamen &#8222;International Marihuana Smugglers Association&#8220; Die amerikanische GT und Sportwagenelite trat in den 70er und 80er Jahren &#8230; <a title=\"Der Drogenschmuggel bei IMSA\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/slickpix.de\/en\/stories\/drogenschmuggel-bei-imsa\/\" aria-label=\"Read more about Der Drogenschmuggel bei IMSA\">Read more<\/a><\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":1236,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[81],"tags":[604,605,606,607,608,609,610,611,612,613,614,615,616,617],"photographer":[],"class_list":["post-1227","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-stories","tag-autorennen-drogen","tag-drogenschmuggel","tag-drogenschmuggel-imsa","tag-imsa","tag-imsa-rennen","tag-john-paul-jr","tag-john-paul-sr","tag-marihuana","tag-marihuana-schmuggel","tag-racing","tag-randy-lanier","tag-rennen","tag-schmuggel","tag-whittington-brueder","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - 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